Frau, berufstätig, Kinder

March 28, 2006

Freut euch, denn im kommenden Jahr geht ein wahrer Geldsegen über uns deutsche Eltern hernieder. Zumindest über eine Teilmenge. Für die wird es Elterngeld geben (bis zu 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens des zu Hause verbleibenden Elternteils, maximal 1800,-), die Kosten für Kinderbetreuung (vor allem, wenn beide Eltern arbeiten) können steuerlich besser abgesetzt werden. Insgesamt soll 2007 eine Summe von 460 Millionen Euro als Familienförderung unters Volk gebracht werden. Eine schöne Stange Geld. Das finden auch Industrie, Handel und die Anzeigenverkäufer großer Verlagshäuser.Das Branchenblatt "New Business" hat schon mal ausgemacht, wo das familiäre Konsumpotenzial denn nun genau liegt. Besonders attraktiv finden die "Business"-Experten die Teilzielgruppe "Frau, berufstätig, Kinder" – die berufstätigen Mütter haben beim Shoppen nämlich nicht nur Windeln und Babybrei im Sinn, sondern auch Interesse an höherwertigen Konsumgütern wie Videokamera, MP3-Player und Spiegelreflexkamera.

Fast vier Millionen verdienende Mütter verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 2000 Euro, 2,1 Millionen haben einen finanziellen Spielraum von über 250 Euro im Monat. Und dieses Geld wird ausgegeben, nicht nur für Dinge, die direkt den lieben Kleinen zugute kommen. Die schlichte "Business"-Erkenntnis lautet:

"Das öffentliche Leben und auch der Konsum von nicht Kind affinen Produkten hört auch bei berufstätigen Frauen mit Kind nicht auf."

Frauen erlauben sich eben auch ein menschliches Leben, wenn sie Mütter werden. Das weiß zwar jeder, der Familie bzw. eine mitverdienende Frau hat, aber nun wissen es auch die, die von der staatlich geförderten Familie leben wollen.

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Homer schlägt Lotta

March 28, 2006

Hat die Familie Simpson doch noch eine Chance bei ProSieben? Die neue Telenovela "Lotta in Love", die seit gestern anstelle einer "Simpsons"-Folge läuft, hat einen echten Fehlstart hingelegt. Nicht einmal eine Million Zuschauer wollte die Serie mit Janin Reinhardt sehen. In der Zielgruppe (14 -49 Jahre) erreichte die Telenovela einen
Marktanteil von 12,7 Prozent – das ist bei dem Werbedruck und den hohen Erwartungen fast schone eine Katastrophe. Die "Simpsons" hatten auf dem selben Vorabend-Sendeplatz hingegen bis zu 16 Prozent geschafft. Jetzt müsste es doch bei ProSieben eigentlich heißen: "Simpsons reloaded!"

Jugend ohne Handy

March 27, 2006

Eben steckte Deutschland noch in der Kinder-Krise, jetzt kriegt das Land die Handy-Krise. Nach einer Polizei-Razzia in einer Schule im Allgäu, bei der 200 Handys konfisziert wurden, 19 davon mit Brutalfilmen, fordert CSU-General Markus Söder jetzt ein generelles Handyverbot an bayerischen Schulen. Und mehr: Video-Handys sollen nicht mehr an Kinder unter 16 Jahren verkauft werden können.

Das einer wie der schneidige Söder solche Forderungen aufstellt, überrascht nicht. Es langweilt. Früher waren es Horrorfilme aus der Videothek, dann Ballerspiele auf dem PC, jetzt (sicher sehr) hässliche Ruckelfilme auf dem Handy. Immer ist der Schock bei den Erwachsenen groß, und immer soll ein Verbot die schnelle Lösung sein, um die Jugend vor ihren Dummheiten zu schützen. Wie diese Bemühungen ausgehen, weiß man ja aus der Vergangenheit.

Dennoch: mir ist das Problem aus den Schulen meiner Kinder völlig unbekannt. Vielleicht bin ich einfach nur ahnungslos, vielleicht ist aber tatsächlich nichts los in Sachen Handy-Schmuddelfilm. Nachfragen schadet nicht.

Promis bei Wasser und Brot

March 25, 2006

Die Ausrede der Woche. TV-Star Ralf Bauer (39) in der “Bild“: 

“Es wird immer schwieriger, Kinder zu ernähren. Ich kann für mich selber berufliche Entscheidungen treffen, könnte notfalls auch wochenlang von Brot und Wasser leben. Das möchte ich meinen Kindern aber nicht wünschen.”

Wann hat der den zuletzt von Brot und Wasser gelebt…

Brutale Videos auf Schülerhandys – wie Focus online eine brutale Nummer daraus macht

March 25, 2006

Auf deutschen Schulhöfen machen offensichtlich Gewaltvideos und Pornos die Runde – auf dem Handy. Die bayerische Staatsregierung überlegt bereits ein  generelles Handyverbot an den Schulen. Heute berichtet Focus online unter der Überschrift “Länder reagieren – Brutale Videos auf Schülerhandys” erneut über das Thema. Tenor: Die Öffentlichkeit ist schockiert, jetzt muss gehandelt werden.

Was genauso schockiert wie Pornos auf Schülerhandys, ist die Art und Weise, in der Focus online über das Thema berichtet. Die ist, vermutlich ohne Absicht, ein Musterbeispiel dafür, wie man journalistischen Content nicht mit Werbebotschaften des Kunden verbinden sollte.

Neben dem Artikel ist ein Banner geschaltet, der für den anonymen Download unzensierter Pornofilme wirbt, inklusiver halbnackter Dame. Eine mindestes unglücklich zu nennende Verbindung von Content und Werbung, die den journalistischen Beitrag der Seite konterkariert. Der Focus-Kunde wirbt für das, was der Focus-Artikel anprangert.

Die Krönung der Handy-Nummer sind jedoch die “innovativen” Werbeformen, die Focus im Artikel selbst einsetzt. Schlüsselwörter des Textes wie Handy und Video sind verlinkt – nicht etwa zu weiteren Hintergrundinformationen, sondern zu Popups einiger Werbepartner. Dabei ergeben sich Effekte, die nicht im Sinne der Kunden und schon gar nicht des Lesers sein können.

Beispiel: “Videos von Hinrichtungen, brutale Pornodarstellungen und andere bestialische Gewaltszenen machen mitunter bei Minderjährigen per Handy die Runde…” Klicke ich auf “Videos”, lande ich bei T-online, wo ich Unterhaltungsfilme herunterladen soll. Ob die jetzt auch Hinrichtungsfilme oder andere Gewaltstreifen im Angebot haben? Gehe ich auf “Handy”, lande ich im Handyshop von 02. Da kann man genau die Handys kaufen, mit denen vorlaute Schüler Filme böse Filme runterladen und rumzeigen können.

Da schert einen der Schulhof-Skandal gar nicht mehr.   

Ist Prince schwul?

March 24, 2006

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Heute Morgen, 7.05 Uhr, kurz vorm Frühstück, knapp vor der U-Bahn zur Schule.
Frage meines Sohnes, 10 Jahre: “Was ist denn das da für eine CD auf dem Tisch?”
Antwort: “Prince!”
Neue Frage: “Wie sieht der denn aus? Ist der schwul?”
Großer Gott! Wie soll man dem Jungen in 30 Sekunden den Unterschied zwischen einer Schwuchtel und einem “Sexy Motherfucker” erklären?

Die Familie als Minderheit

March 24, 2006

Man ahnte es ja längst, aber nun hat man es schwarz auf weiß: Von 336 000 Ehepaaren in Hamburg haben nur 149 000 Kinder. Davon haben gerade einmal 24 000 Paare drei Kinder. Zu dieser Minderheit in der Minderheit gehören wir also. Hamburg – wachsende Stadt, behauptet der Bürgermeister. Was wächst, sind die Container-Berge im Hafen.

Kindergeld vs. Kindergarten

March 23, 2006

Nun mal Butter bei die Fische, Herr Steinbrück: Der Finanzminister möchte was für Familien tun und kostenlose Kindergartenplätze, dafür will er das Kindergeld kürzen. Seine Rechnung: Mit etwa 6,- Euro Abschlag pro Monat und Kind beim Kindergeld hätte der Bund genügend Geld, die Eltern von den Kindergartenbeiträgen zu befreien. Klingt ganz gut, wenn man mal davon absieht, dass es große verfassungsrechtliche Bedenken gegen das Vorhaben gibt. Aber Bedenken gibts immer.

Rechnen wir doch mal: Ein durchschnittlicher Halbtags-Kindergartenplatz kostet in Deutschland ca. 50,- Euro im Monat. In Hamburg beispielsweise zahlt man einkommensabhängig für eine vierstündige Betreuung zwischen 26,- und 153,- Euro. Das Kindergeld beträgt im Moment 154,- Euro monatlich. Springt dabei unterm Strich nun eine Ersparnis für die Eltern raus, wenn das Kindergeld gekürzt wird und der Kindergarten dafür gratis ist?

Kindergeld-Summe für 18 Jahre Leistung: 154 x 12 x 18 = 33.264
Für maximal mögliche 27 Jahre Leistung: 154 x 12 x 27 = 49.896

Kindergeld nach Steinbrück:
154 – 6 = 148
148 x 12 x 18 = 31.968 oder
148 x 12 x 27 = 47.952

Durchschnittlicher Kindergartenbeitrag für 3 Jahre:
1800,- (12 x 50 x 3)

Kindergeld heute minus Kindergeld nach Steinbrück (18 Jahre):
33.294 – 31.968 = 1326
Für 27 Jahre Kindergeld-Zahlungen sieht die Bilanz so aus:
49.896 – 47.952 = 1944

Fazit: Bekommen die Eltern 18 Jahre lang Kindergeld, ergibt sich ein Einspareffekt von 474,- Euro (1800,- minus 1326,-). Wird das Kindergeld 27 Jahre lang gezahlt, zahlen die Eltern defacto drauf, nämlich 144,- Euro (1800,- minus 1944,-). Herr Finanzminister, lohnt sich die ganze Aufregung bei dieser mageren Bilanz?

Handyverbot für Schüler?

March 22, 2006

Was unsere Kinder so in der Schule machen, wenn sie nicht gerade mit Lernen beschäftigt sind: Wir haben früher einfach mal ein bisschen gedöst, von der jungen Sportreferendarin geträumt oder Papierflieger gefaltet, wenns im Unterricht langweilig wurde. Heute greifen 28 Prozent der Schüler zum Handy, um eine SMS zu verschicken, sechs Prozent vertreiben sich die Zeit mit Handyspielen, statt den Worten des Lehrers zu folgen (nach einer RTLII-Umfrage). Vielleicht auch ein Grund dafür, dass die bayerische Staatsregierung jetzt überlegt, ob Handys generell aus Schulen verbannt werden sollen.

Im Angebot: Kindergarten gratis

March 22, 2006

Hey, es ist Wahlkampf. Woran merkt man das? Es werden wieder wohlfeile Versprechungen gemacht. Etwa, wenn Merkel, Heil (SPD) und andere mal wieder Gratis-Kindergartenplätze oder eine Art Tauschgeschäft Kita gegen Kindergeld (wie Steinbrück, Finanzminister) in Aussicht stellen. Einen Finanzierungsplan für die zwei bis drei Milliarden teure Idee gibt es natürlich nicht. Wird es auch nicht geben.

Denn schon vor Monaten haben die, die derartige Wohltaten bezahlen sollen, klipp und klar gemacht, das keine Knete für Kitas in der Staatskasse übrig ist: Die Städte und Kommunen haben Schulden in Höhe von ca. 24 Milliarden Euro aufgehäuft und denken gar nicht daran, auf die Elternbeiträge für die Kindergartenbetreuung zu verzichten.

Könnte mir jetzt als Vater von drei schulpflichtigen Kindern, die keinen Kitaplatz mehr brauchen, egal sein. Ich weiß aber, dass die saftigen Kindergartengebühren ein ordentliches Loch in die Familienkasse reissen können.