Archive for the ‘Familienpolitik’ Category

Kindergeld vs. Kindergarten 1:1

March 29, 2006

Einer Umfrage des Stern zufolge befürworten 49 Prozent der Bundesbürger den Vorschlag von Finanzminister Steinbrück, das Kindergeld zu kürzen, um so kostenlose Kindergartenplätze zu finanzieren. Allerdings lehnen fast genauso viele der Befragten, nämlich 45 Prozent, das Vorhaben ab. Ein klares Unentschieden, eine unausgegorene Idee – das passt.

Kindergeld vs. Kindergarten

March 23, 2006

Nun mal Butter bei die Fische, Herr Steinbrück: Der Finanzminister möchte was für Familien tun und kostenlose Kindergartenplätze, dafür will er das Kindergeld kürzen. Seine Rechnung: Mit etwa 6,- Euro Abschlag pro Monat und Kind beim Kindergeld hätte der Bund genügend Geld, die Eltern von den Kindergartenbeiträgen zu befreien. Klingt ganz gut, wenn man mal davon absieht, dass es große verfassungsrechtliche Bedenken gegen das Vorhaben gibt. Aber Bedenken gibts immer.

Rechnen wir doch mal: Ein durchschnittlicher Halbtags-Kindergartenplatz kostet in Deutschland ca. 50,- Euro im Monat. In Hamburg beispielsweise zahlt man einkommensabhängig für eine vierstündige Betreuung zwischen 26,- und 153,- Euro. Das Kindergeld beträgt im Moment 154,- Euro monatlich. Springt dabei unterm Strich nun eine Ersparnis für die Eltern raus, wenn das Kindergeld gekürzt wird und der Kindergarten dafür gratis ist?

Kindergeld-Summe für 18 Jahre Leistung: 154 x 12 x 18 = 33.264
Für maximal mögliche 27 Jahre Leistung: 154 x 12 x 27 = 49.896

Kindergeld nach Steinbrück:
154 – 6 = 148
148 x 12 x 18 = 31.968 oder
148 x 12 x 27 = 47.952

Durchschnittlicher Kindergartenbeitrag für 3 Jahre:
1800,- (12 x 50 x 3)

Kindergeld heute minus Kindergeld nach Steinbrück (18 Jahre):
33.294 – 31.968 = 1326
Für 27 Jahre Kindergeld-Zahlungen sieht die Bilanz so aus:
49.896 – 47.952 = 1944

Fazit: Bekommen die Eltern 18 Jahre lang Kindergeld, ergibt sich ein Einspareffekt von 474,- Euro (1800,- minus 1326,-). Wird das Kindergeld 27 Jahre lang gezahlt, zahlen die Eltern defacto drauf, nämlich 144,- Euro (1800,- minus 1944,-). Herr Finanzminister, lohnt sich die ganze Aufregung bei dieser mageren Bilanz?

Im Angebot: Kindergarten gratis

March 22, 2006

Hey, es ist Wahlkampf. Woran merkt man das? Es werden wieder wohlfeile Versprechungen gemacht. Etwa, wenn Merkel, Heil (SPD) und andere mal wieder Gratis-Kindergartenplätze oder eine Art Tauschgeschäft Kita gegen Kindergeld (wie Steinbrück, Finanzminister) in Aussicht stellen. Einen Finanzierungsplan für die zwei bis drei Milliarden teure Idee gibt es natürlich nicht. Wird es auch nicht geben.

Denn schon vor Monaten haben die, die derartige Wohltaten bezahlen sollen, klipp und klar gemacht, das keine Knete für Kitas in der Staatskasse übrig ist: Die Städte und Kommunen haben Schulden in Höhe von ca. 24 Milliarden Euro aufgehäuft und denken gar nicht daran, auf die Elternbeiträge für die Kindergartenbetreuung zu verzichten.

Könnte mir jetzt als Vater von drei schulpflichtigen Kindern, die keinen Kitaplatz mehr brauchen, egal sein. Ich weiß aber, dass die saftigen Kindergartengebühren ein ordentliches Loch in die Familienkasse reissen können.

Verrückt nach Familie

March 21, 2006

Das sind wir auch. Die Konsumgüterindustrie sowieso. Die von der Familienmarke Rama in Auftrag gegebene, von Forsa durchgeführte und von der PR-Agentur Edelman verbreitete Studie “Verrückt nach Familie 2006” wollte wissen, warum sich Frauen immer häufiger für die Karriere und gegen Kinder entscheiden. Fazit der Befragung von 1000 Müttern: Viele Frauen fühlen sich hin- und hergerissen zwischen Familie und Beruf. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Zwei Drittel der befragten Mütter haben das Gefühl, sie stehen zwischen einem “Entweder-oder” was Kind und Karriere angeht. Nur ein Drittel der befragten Mütter hat den Eindruck, dass Kinder und Karriere gut zu vereinbaren sind.
Mütter wollen arbeiten! Aber: Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist Müttern sehr wichtig. 88 Prozent der befragten Mütter, die gegenwärtig nicht berufstätig sind, wünschen sich, zukünftig wieder beruflich tätig zu werden bzw. in ihren Beruf zurückzukehren. Neben der Erziehungsarbeit auch beruflich tätig zu sein, halten über 82 Prozent der befragten Mütter für wichtig oder sogar sehr wichtig. In Ostdeutschland ist diese Zahl noch höher – über 90 Prozent der Mütter dort halten die Kombination von Beruf und Erziehungsarbeit für wichtig und sehr wichtig. Über 90 Prozent aller Mütter sind der Meinung, flexible Kinderbetreuung bzw. Einrichtungen für flexible Kinderbetreuung leisten für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen großen Beitrag. Drei Viertel der Mütter wären sogar bereit, Modelle zur flexiblen Kinderbetreuung auch selbst zu unterstützen – 56 Prozent der Mütter würden z.B. unentgeltlich mitarbeiten.
Mehr und flexiblere Kinderbetreuungsangebote können helfen. Jede dritte Frau gibt an, dass das Fehlen flexibler Kinderbetreuungsangebote ein Grund dafür ist, dass sie im Augenblick neben der Erziehungsarbeit nicht berufstätig ist. Allein erziehende Mütter haben es noch schwerer: Sie geben häufiger an, dass das Fehlen flexibler Kinderbetreuungsangebote ein Grund dafür ist, dass sie im Augenblick nicht berufstätig sind. 62 Prozent der Mütter wünschen sich zeitlich flexiblere Kinderbetreuungsangebote wie beispielsweise Betreuungsmöglichkeiten am Wochenende, in den Ferien oder länger am Abend.
Familie ist wichtig, denn Familie macht glücklich, gibt Kraft und sorgt als ruhender Pol für Ausgleich. Familie und Glück gehören eng zusammen. 92 Prozent der befragten Mütter geben an, dass die Familie sie glücklich macht – 85 Prozent der Mütter bestätigen, dass ihre Familie ihnen Kraft gibt. 73 Prozent der Mütter geben an, dass sie dank der Familie ausgeglichener sind.

Hintergrund der ganzen Margarine-Meinungsbefragung: Die Marke Rama unterstützt mit der Initiative “Mehr Kinder besser betreut” die Aktion “Lokale Bündnisse für Familie”.

Glückliche Familien und mehr Kinder – Trendforscher Horx sieht rosige Zukunft

March 21, 2006

Soll man es Mut, Optimismus oder doch Naivität nennen? Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx sieht die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ganz gelassen. Die Geburtenrate wird seiner Ansicht nach in den kommenden Jahren entgegen anderen Voraussagen steigen, und zwar auf 1,6 Kinder pro Frau (heute: 1,3). Auch andere Länder wie Frankreich hätten eine niedrige Geburtenrate gehabt, jetzt allerdings die Trendumkehr geschafft. Ein vorübergehendes Absacken der Geburtenrate sei in wohlhabenden Ländern ganz natürlich.

Horx ist auch davon überzeugt, dass Familien kein Auslaufmodell sind, sondern eine Zukunft haben. Allerdings ändere sich das Erscheinungsbild der modernen Familie, es passe sich dem gesellschaftlichen Wandel an. Während die familiäre Lebensqualität
steigt, werden die traditionellen Formen der Familie mehr und mehr verschwinden.

Horx, selbst verheiratet und Vater zweier Söhne, sieht vor allem drei Familien-Varianten im Trend liegen: “die neue Familie”, die von einem gleichberechtigten Verhältnis der Partner bestimmt ist, die “re-aristokratisierte Familie” (im Klartext: die doppelverdienende Elite) und die “fraktale Puzzle-Familie”, im weitesten Sinne das, was man Patchwork-Familie nennt.

Noch sei Deutschland allerdings ein “männerzentriertes Industrieland”, schränkt Horx ein und vertröstet auf eine bessere Zukunft:

“Drei bis vier Jahrzehnte werden wohl noch vergehen, bis sich hier familienfreundliche Strukturen entwickelt haben.”

Jemand, der an dieser Zukunft arbeitet, ist die Bundesfamilienminsterin. Die hat den Zukunftsforscher zum Ersten Deutschen Familientag am 15. Mai nach Berlin eingeladen. Dort soll Horx über “Die Zukunft der Familie” sprechen. Ein Thema, das man heutzutage mit Optimismus angehen muss. So viel steht auf jeden Fall fest.

Köhler und die Kinder

March 20, 2006

Kinder, Kinder – alle reden davon, aber wie man sie bekommt, scheint niemand so recht zu wissen. Bundespräsident Horst Köhler leistet via “Bams” nun auch seinen Beitrag zur aktuellen Kinder-Krise-Debatte: “Familien brauchen praktische Hilfe und finanzielle Entlastung.” Elterngeld und die geplante steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten wiesen in die richtige Richtung. Das wars – Köhler wiederholt einfach, was die Regierung längst beschlossen hat.

Im Forum demographischer Wandel, eine Gemeinschaftsaktion des Bundespräsidenten mit der Bertelsmann Stiftung, wird man leider auch nicht schlauer, wenn man Ideen zur Familienförderung sucht. Dort heißt es nur lapidar, um der Schrumpfung unserer Gesellschaft zu begegnen, “müsste sich der Wunsch nach Kindern wieder erhöhen”. Ah ja, gut, dass wir mal darüber nachgedacht haben, Herr Präsident. 

Rettet Deutschland! Aber wie?

March 16, 2006

Baby-Schock, Kinder-Krise, demografische Katastrophe – seit Tagen tobt unter diesen oder ähnlichen Schagzeilen eine Debatte um die Zukunft des Landes. Laut “Bild” sterben die Deutschen sogar aus. Aber mal angenommen, wir würden den Versuch einer Rettung unternehmen – außerdem möchte ich ja wissen, wer meine Rente bezahlen soll – was empfehlen unsere Experten in Sachen Bevölkerungs- und Familienpolitik? Gucken Sie sich die Vorschläge der Fachleute genau an – und suchen Sie sich aus, was Ihnen am besten gefällt. Viele Ideen, aber keine überzeugt mich so richtig. (more…)

Baby-Schock

March 15, 2006

… titelt die “Bild”-Zeitung heute. Und verkündet eine Seite weiter: “In 12 Generationen sind wir Deutschen ausgestorben” – weil wir zu wenig Kinder machen. Aber “Bild” hilft uns auf die Sprünge – gleich unter der Baby-Schock-Story wird die Rettung aus höchster Nachwuchs-Not präsentiert: “Nur die Familie kann die Gesellschaft retten!”, weiß nämlich Michael Schirrmacher, der gerade in einer “Bild”-Serie sein neues Buch “Minimum” promotet. Gleich daneben verraten zwölf junge Frauen, warum sie gegen das Kinderkriegen sind – zum Beispiel, weil sie es schwierig finden, Kinder und Karriere unter einen Hut zu kriegen.

Mit diesem Thema müsste sich Bild-Chefredakteur Kai Diekmann eigentlich bestens auskennen, vielleicht besser als seine Redakteure. Er hat drei Kinder – und seine Frau arbeitet trotzdem. Frau Kessler schreibt Bücher (Bohlen), Kolumnen (“Für Sie”) und berät andere Chefredakteure (“InTouch”). Arbeit und Nachwuchs – geht doch. Und was im Hause Diekmann/Kessler geht, müsste doch auch anderswo in Deutschland funktionieren.

Der “Bild”-Baby-Schock wurde übrigens durch eine Studie des Berlin-Institus ausgelöst. Die Experten für Bevölkerung und Entwicklung haben auch eine Idee, wie man die Baby-Bremse bei bundesdeutschen Frauen lockern könnte – zum Beispiel durch die verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das ist natürlich nicht der Stoff, aus dem “Bild”-Schocker sind.

Die Schrumpfgermanen

March 14, 2006

Neue Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung gefällig? Das Statistische Bundesamt hat jetzt verkündet, wie es im vergangenen Jahr um die Geburtenrate in Deutschland bestellt war: schlecht. Laut Prognose der Statistiker kamen 2005 nur rund 676 000 Kinder auf die Welt. Ein Minusrekord. Nie hat es seit 1946 weniger Kinder pro Jahr in Deutschland gegeben. Und was nun? Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, setzt auf das Elterngeld, um das Germanenschrumpfen zu stoppen. Andere aufs Beten. Wie wärs mit – Sex?

Kinder als Karriereknick

March 8, 2006

Damit sind wir schon wieder bei Schirrmachers Thema: Akademikerinnen bekommen einfach zu wenig Kinder. Weil sie egoistisch ihre Unabhängigkeit verteidigen wollen? Nein. Weil der Nachwuchs häufig für einen Karriereknick sorgt. Das ist das Ergebnis einer Studie über Frauen in Führungsfunktionen, die das Famillienministerium und die Bertelsmann-Stiftung vorgestellt haben.

Was man noch aus der Befragung von 500 Karrierefrauen lernen kann:

84 Prozent bekommen Arbeit und Kind nur deshalb unter einen Hut, weil der Partner zu Hause mit anpackt;
72 Prozent halten öffentliche Kinderbetreuung für wichtig;
63 Prozent betonen die Bedeutung einer familienfreundlichen Unternehmenskultur.