Kapitulation im Klassenzimmer

Eine Schule kapituliert vor ihren Schülern – der Notruf der Lehrer der Berliner Rütli-Hauptschule hat viele schockiert, überrascht oder auf dem falschem Fuß erwischt. Der zuständige Senator hatte, so liest man, keine Ahnung von den Vorgängen in Neukölln. Scheinbar wusste auch sonst kaum jemand außerhalb des Schulgeländes, welche Szenen sich drinnen abspielen.

Sicher, diese Schule ist ein Extremfall. Aber die Ursachen der Klassen-Katastrophe sind bekannt. Die kennt auch Senator Böger. Man kann sie an vielen Hauptschulen in den größeren Städten des Landes besichtigen. Der Möchtegern-Bürgermeister Pflüger (Vorname: Friedbert) schlägt vor, gewalttätige Schüler des Landes zu verweisen. Auch er müsste es eigentlich besser wissen. Mein  Vorschlag: Verweis für ein Schulsystem aus Kaisers Zeiten! Aus folgenden Gründen:

1. Die Schulform Hauptschule ist eine Sackgasse – ein Wurmfortsatz unseres überholten dreigliedrigen Schulsystems. Wer hier landet, fährt mit hoher Wahrscheinlichkeit später sozial und beruflich an die Wand. Weg mit der Hauptschule!

2. Die Integration ist gescheitert – wer will, dass auch Kinder mit ausländischem Familienhintergrund in der Schule eine Chance haben, muss sie fördern. Und fordern – von den Eltern die Bereitschaft zur Teilnahme am öffentlichen Leben, von den Kindern Leistungen und die Einhaltung von Grundregelen. Also weniger "Türkisch für Anfänger" und mehr Klartext für Unwillige.

3. Problemviertel wie Neukölln gibt es viele – man wird sie nicht abschaffen können. Aber muss es sein, dass sich das pädagogische Elend eines Viertels an einer Schule konzentriert? Vielleicht muss man über Quoten für bestimmte Problemgruppen nachdenken.

4. Personalmangel und mangelhaftes Personal – Schulprobleme sind auch immer Lehrerprobleme. Das Hauptschullehrerdasein ist gewiss kein Zuckerschlecken. Aber bei mancher Lehrkraft vermisst man doch die Motivation, sich einer veränderten Realität vor dem Schultor zu stellen. Mehr Lehrer und Sozialpädagogen allein sind nicht die Lösung, da muss mehr Qualität in die Köpfe.

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4 Responses to “Kapitulation im Klassenzimmer”

  1. Klabauter Says:

    Wer Neukölln kennt, weiß um die Probleme der Schulen. Wer kann und wen’s interessiert, schult sein Kind woanders ein. Wer meint, er habe nichts gewusst, der lügt oder ist blind und scheintot. Diese Schule ist bestimmt kein Extremfall, sondern hat besonders mutige Lehrer und Schulleiter, die an die Öffentlichkeit gehen.

  2. familie Says:

    Hier (HH-St. Georg) waren die Verhältnisse ähnlich. Die “Lösung”: Die Familien sind vor die Stadt gezogen, die Häuser wurden renoviert und bezogen von Kinderlosen. Die Schule ist nun so klein (200 Schüler), dass sie wohl bald dicht gemacht wird.

  3. fredoh Says:

    Here are some links that I believe will be interested

  4. jimmiiii Says:

    toller beitrag über das klassenzimmer 🙂

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