PISA-Probleme

Meine Tochter hat das große Los gezogen. Sie ist als Teilnehmerin der PISA-Studie 2006 gezogen worden. Sie macht den Test an der Schule, die Eltern müssen einen Fragebogen zur Lernsituation des Kindes ausfüllen. Schön, freue ich mich, dann bekomme ich jetzt mal aus erster Hand mit, wie diese schon legendäre Studie gemacht wird, ein Stück Bildungspolitik live.

Das Schreiben der Schule zur Test-Teilnahme macht mich aber ein wenig stutzig. Die PISA-Kandidaten werden regelrecht auf das Ereignis eingeschworen: Dieser Test sei für die Schule, uns und unser Kind sehr wichtig, schließlich könne so festgestellt werden, ob auch das Richtige für die Bildung in Deutschland getan werde. Wir werden ermahnt, unserer Tocher zu erklären, wie wichtig dieser Test für die Zukunft des Kindes ist. Denn:

"Ein gutes Abschneiden Hamburger Schüler würde zeigen, dass das Hamburger Bildungswesen auf dem richtigen Weg ist, Ihren Kindern eine gute Zukunft zu sichern, ein schlechtes würde uns zu schnellen Änderungen auffordern."

Sage ich meiner Tochter jetzt, sie soll sich ja anstrengen, den Test so gut wie möglich zu machen? Ein gutes Testergebnis hieße doch, das "Bildungswesen" der Stadt ist prima, wir brauchen nichts zu verbessern, allgemeines Schulterklopfen und gut. Es ist aber nicht gut.

Ein paar Ganztagsschulen mehr, zaghafter Fremdsprachenunterricht an den Grundschulen, ein paar zusätzliche Stühle in der Schulkantine, dafür weniger Lehrer an den Gesamtschulen, neue Bücher, die aber von den Eltern bezahlt werden – ich finde, die Schule ist noch nicht auf dem richtigen Weg. Ich bin für Änderungen im Schulsystem, meinetwegen auch schnelle. Aber Änderungen gibts ja nur, wenn PISA schlecht ausfällt. Soll ich meiner Tochter jetzt sagen, sie soll den PISA-Test verhauen, damit alles besser wird? Ein schweres Los.

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2 Responses to “PISA-Probleme”

  1. Martin Hiegl Says:

    Hab aus erster Hand gehört, dass das früher gar nicht so war. da hieß es von den Lehrern “Da is so ein Test – macht den mal. Noten gibt’s keine.”

  2. familie Says:

    Ist heute ganz anders. Man hat ja dazugelernt. Auch als Lehrer. Habe von meiner Tochter gehört, das es in der Schule eine Vorbesprechung für alle PISA-Teilnehmer gibt.

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