Privatschulen: Eine Sache des Gefühls?

Privatschulen werden immer beliebter. Immerhin gehen 6,3 Prozent der rund 9,8 Millionen schulpflichtigen Kinder in Deutschland bereits auf eine allgemein bildende Privatschule. Grund: die Unzufriedenheit der Eltern mit den staatlichen Schulen. Allerdings: Bei näherem Hinsehen ist nicht nachvollziehbar, warum private Schulen einen so guten Ruf genießen.

Laut einer aktuellen Umfrage des GEWIS-Instituts im Auftrag der Frauenzeitschrift FÜR SIE ist die Meinung weit verbreitet, dass in den staatlichen Schulen “die Ausbildung der Persönlichkeit der Kinder zu kurz” komme: 42 Prozent der insgesamt 1.019 befragten Frauen und Männer zwischen 30 und 45 sehen darin einen großen Nachteil.

“Sicher ist, dass das Schulklima an Privatschulen besser ist, Kinder und Eltern sich wohler fühlen und die Privaten eine ausgeprägtere Förderkultur pflegen”, bilanziert Professor Manfred Weiß vom Deutschen Institut für internationale pädagogische Forschung in Frankfurt. Er hat an der Pisa-Studie mitgearbeitet und die Ergebnisse von 38 Privatschulen ausgewertet. Allerdings hätten diese Schulen in den Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, die in der Pisa-Studie abgefragt wurden, nicht besser abgeschnitten als staatliche. “Die Leistungsunterschiede zwischen Schülern mit ähnlicher sozialer Herkunft sind sehr gering”, so Weiß in FÜR SIE (vom 7.2.).

Mit der Qualität der Privatschulen scheint es also ähnlich zu sein wie mit der Inflation: Sie ist vor allem gefühlt. Kinder und Eltern fühlen sich wohler auf einer privaten, Eltern, die spüren, dass die staatlichen Schulen nicht das Gelbe vom Ei sind, glauben, ein privates Institut sei besser für den Nachwuchs. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Und mal ehrlich: Geht es beim Thema Schule vor allem darum, “sich wohler zu fühlen”, um eine Art Kuschel-Unterricht für chronisch Unzufriedene?

Wer will, dass seine Kinder mehr oder besser lernen, braucht sie jedenfalls nicht auf eine Privatschule zu schicken. Denn in puncto Leistungsvermittlung sind die staatlichen Schulen ebenbürtig – was nicht heißt: gut.

Und wer sich beklagt, dass in den Staats-Schulen die Ausbildung der Persönlichkeit zu kurz kommt, muss sich nicht gleich hilfesuchend an kostenpflichtige Privat-Lehranstalten wenden, sondern kann in den eigenen vier Wänden für Abhilfe sorgen. Sind es denn nicht in erster Linie die Eltern, die für die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder verantwortlich sind?

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