Schreiben und Lesen rechnet sich

Eine erstaunliche Meldung aus der heutigen Süddeutschen: “Drei von vier Eltern sind nach einer Umfrage des Forsa-Instituts bereit, das familiäre Budget zugunsten der Schulbildung umzuschichten. 89 Prozent würden sogar auf Ausgaben für CD und Computer verzichten, wenn sich dadurch die Bildung des Nachwuchses verbessern ließe. Im Durchschnitt geben Eltern 105 Euro pro Kind und Monat für Bildung aus.” Verdammt viel Geld in einem Land, in dem Eltern kein Schulgeld zahlen müssen. Da fängt man als Vater an nachzurechnen. Wie viel ist einem denn die Bildung des eigenen Nachwuchses tatsächlich wert?

Bei drei Kindern kommen 160 Euro Büchergeld, ca. 75 Euro für Hefte und Material, 450 Euro für Klassen- und Sprachreisen zusammen – pro Jahr, wohlgemerkt. Aufgerundet macht das 700 Euro, pro Kind und Jahr also ca. 235 Euro. Das ergibt eine monatliche Belastung von ca. 20 Euro pro Kind für Bildung. Das ist ziemlich weit entfernt von den durchschnittlichen 105 Euro, die deutschen Eltern die Bildung wert sein soll. Und es ist ein kleiner Schock – bin ich jetzt ein schlechter Vater, weil ich so wenig für die Bildung meiner Kinder ausgebe? Nein, ich bin ein Vater, der rechnen kann.

Auftraggeber der Forsa-Studie sind die Lehrinstitute für Orthographie und Schreibtechnik (LOS). Dieses Unternehmen bietet an 200 Standorten mit über 2000 Mitarbeitern Nachhilfeunterricht an – gegen Gebühr versteht sich. Wer den Förderunterricht zur “pädagogischen Therapie der Lese/Rechtschreibschwäche” (Eigenwerbung) in Anspruch nehmen will, ist mit mindestens 1600 Euro jährlich dabei. Die LOS-Therapie dauert ein bis drei Jahre, umfasst vier Stunden wöchentlich bei Kosten pro Stunde zwischen 10 und 15 Euro. Bei ca. 40 Wochen Unterricht macht das mindestens 1600 Euro im Jahr – oder 133 Euro im Monat. Klar, dass ich da mit meinen 20 Bildungs-Euro pro Monat nicht auskomme. Nicht mal mit 105 Euro, die deutsche Durchschnittseltern angeblich für Bildung ausgeben. Jetzt wissen wir auch wofür: teure Nachhilfe. Um mir das leisten zu können, müsste ich tatsächlich das Familienbudget drastisch umschichten – und damit den Kindern eine eventuell vorhanden Lese- und Rechtschreibschwäche wegtherapieren lassen. Apropos Rechtschreibung: Schreibt man Orthographie jetzt nicht mit “f”?

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One Response to “Schreiben und Lesen rechnet sich”

  1. oblomow Says:

    Na, dass können die Eltern aber billiger haben. Vielleicht fangen sie mal an, ihre süssen Kleinen zu erziehen, damit Unterricht überhaupt stattfinden kann und Lehrkräfte statt 45 Minuten um Ruhe zu kämpfen unterrichten können.

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