Familie auf Reisen: Wie man schweres Urlaubsgepäck mit Leichtigkeit schultert

Stehen Sie auch vor dem schier unlösbaren Problem, das Gepäck für den mehrwöchigen Urlaub einer fünfköpfigen Familie in einen handelsüblichen Van oder Kombi zu packen? Jedes Jahr in den Sommerferien droht wieder ein Logistik-Desaster, auch wenn die Reise nur in den Südwesten Deutschlands oder in die angrenzenden EU-Länder geht.Was da angeblich alles mit muss, sprengt meist jede Vorstellungskraft und leider auch fast jeden Gepäckraum: ein Koffer pro Nase (bei weiblichen Passagieren noch eine prallgefüllte Reisetasche extra), die komplette Strand, Trend- oder Wanderausstattung (in diesem Jahr: Trekking-Stöcke), ein Seesack mit Schuhen, diverse Jacken und Gummistiefel (es könnte ja regnen), Reitstiefel inklusive Putzkasten, evtl. eine Angelausrüstung, Bademäntel (passen angeblich immer noch obendrauf), Federballschläger, ein Fußball (mit Pumpe!), bergeweise Lektüre und weitere Unterhaltungsmedien für die Fahrt (bzw. eine Schlechtwetterphase vor Ort), mehrere CD-Spieler, Gameboys und Handys, eine Kühltasche (randvoll, was nicht reinpasst, geht unter den Sitz), weitere Lebensmittel für den kleinen Hunger zwischendurch, eine
Thermoskanne mit Kaffee und Becher, Kuscheltiere, eine Rolle Wischundweg (von wegen), Tücher zum Verhängen der Fenster (Sonnenschutz für die Kleinen), pro Kind ein Rucksack und eine weitere Tasche mit Spielsachen, angeblich für alle (eigentlich für die Gattin) ein megaschweres Gebinde mit Kosmetika und, endlich, eine Tasche mit den wirklich wichtigen Utensilien wie Ausweis, Führerschein, Kreditkarte, Straßenkarten, Geld
etc.

Sind alle diese Sachen in stundenlanger Arbeit (meist in der Nacht vor der Abfahrt und bis kurz vor Sonnenaufgang) schließlich zum Auto gewuchtet, passiert, was der männliche Autofahrer-Sachverstand schon längst wusste: Es passt nicht. Den ganzen Kram wieder hochschleppen, auspacken und neupacken? Die Familie zum “smart travelling” überreden? Zwecklos.

Wofür hat man denn eine so großen Wagen?! Und es sind schließlich die schönsten Tage im Jahr, da wollen Frauen und Kinder auf nichts verzichten. 20 T-Shirts pro Familienmitglied? Aber sicher, im Urlaub wird nicht gewaschen! Fünf Pullover in jedem Koffer? Es ist Sommer, gewiss, aber die kalten Abende auf der Terrasse. Sechs lange Hosen für den Junior? Du willst doch nicht, dass dein Sohn schmutzig rumläuft! Und die Wollsocken? Könnte ja mal einen kalten Tag geben und neue selbststricken wollen wir doch nicht. Warum dann zwölf Tuben, Dosen, Tiegel und weitere Pröbchen mit Sonnencreme, fragst du? Man will doch nicht ausgerechnet am Schutz der zarten Kinderhaut sparen (Ozonloch, remember); und außerdem könnte es die Lieblingscreme in der fernen Provinz eventuell gar nicht im Fachhandel geben. Und dann drohen schlimmste Allergien. Und dafür wolle man doch nicht verantwortlich sein, oder?

An diesem Punkt hat man als autofahrender Haushaltsvorstand und Kofferträger eigentlich nur eine Alternative: Urlaub absagen oder sich in sein Schicksal fügen. Klar, man hat als verantwortungsvoller Autofahrer die einschlägigen Expertentipps, z. B. vom ADAC, in den Ohren: Alles was nicht im Innenraum benötigt wird, gehört in den Kofferraum. Geht leider nicht. Es wird soviel im (ziemlich großen Van-Innenraum) benötigt, dass es eh nicht mehr in den Kofferraum passen würde. Freie Sicht nach hinten? Scheibenkleister. Dann müssten mindestens zwei Koffer zu Hause bleiben – und die dazugehörigen Passagiere eventuell auch. Die schweren Sachen nach unten, die leichten nach oben? Logisch, würde man ja auch gerne machen, wenn nicht alle größeren Teile sowieso gleich schwer wären. Also Reise absagen oder Augen zu und durch?

Der erfahrene Urlaubsfahrer rät: einsteigen und nach vorne gucken. Versuchen Sie zu ignorieren, was sich während der Fahrt auf den hinteren Sitzen (und darunter) abspielt. Sie müssen schließlich auf den Verkehr achten. Im Zweifel schicken sie die Frau und Mutter nach hinten, um die unvermeidlich anfallenden Probleme (Hunger, Durst, Langeweile, Streit, leere Batterien, herumkollernde Spielsachen etc.) zu lösen. Ihre Lösung, nämlich ein übersichtlich gepacktes Auto mit dem wirklich Notwendigen an Bord, hat man ja in den Wind geschlagen. Sollten Sie das Ziel nach zwölf Stunden Asphalthölle und Innenraumkoller unversehrt erreichen und auch die Rückfahrt meistern (die wenigen Tage dazwischen sowieso), bleibt Ihnen am Ende auf jeden Fall ein stiller Triumph, stellt sich unvermeidlich eine gewisse Leichtigkeit des Vaterseins ein. Werden die Koffer und Taschen und Säcke (und Mitbringsel) zu Hause wieder ausgepackt, werden Sie feststellen, dass nur die Häfte aller Reiseutensilien tatsächlich gebraucht wurde, die andere Häfte also wieder sauber und unbenutzt in den Schrank wandert. Aber das haben Sie ja im Grund schon vorher gewusst.

 

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