Kinder und Medien

April 26, 2006

Hätten Sie's gewusst: Unsere Kinder sitzen zwar täglich durchschnittlich 90 Minuten vor dem Fernseher, aber auch 333 Minuten in der Schule. Was Sie sonst noch tun, gibts hier zu lesen.

“Familien-Blog” wird “Absolut Familie”

April 7, 2006

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Das Familien-Blog zieht um. Unsere neue Seite heißt Absolut Familie, die Adresse lautet absolutfamilie.de. Die Gründe für den Umzug sind ungefähr die gleichen wie bei einem Wohnungswechsel: Unter der neuen Adresse ist natürlich alles besser, schöner, größer.

Eine eigene Domain mit einem frischem Theme und optimierter Technik bietet einfach mehr Möglichkeiten, Inhalte zu erstellen und zu gestalten. Und natürlich die Chance, mehr Leser zu erreichen. Dazu soll zukünftig auch unser verbreitertes Themenangebot und die eine oder andere Überraschung beitragen. Ich hoffe, wir sehen uns wieder – auf Absolut Familie.

Die Töchter der Toggo-Online-Familie

April 4, 2006

Die Online-Familie des Kinder- und Familiensenders Super RTL hat Zuwachs bekommen. Neben den bekannten Adressen toggo.de, toggolino.de und anderen Kinder-Angeboten gibts jetzt die Seite elementgirls.de. Der Auftritt wendet sich an Mädchen und ist ein angenehmer Gegenentwurf zu bravo.de – zarte Farben, zurückhaltendes Layout, wenig Promi-Klatsch.

Dafür gibt es eine ganz hübsche Aufteilung der Themen nach Mädchentyp: nach einem Test erfährt die junge Nutzerin, ob sie ein Erde-, Luft, Wasser- oder Feuer-Mädchen ist. Wobei das Erde-Mädchen der Familientyp ist, das Luft-Mädchen ein Medienjunkie, das Wasser-Mädchen kreativ ist und das Feuer-Mädchen ein Power-Girl.

Und was sind meine Töchter jetzt? Bei deren durchschnittlicher Verweildauer im Netz und vor dem Fernseher würde ich sagen: Luft!

Was ist eine Baby-Domain?

April 3, 2006

Man lernt ja nie aus, als Vater sowieso nicht: Eine Baby-Domain ist weder das Web-Länderkürzel für einen Zwergstaat noch eine Web-Repräsentanz, die in den Kinderschuhen steckt. Eine Baby-Domain ist Babys erste Webseite. In den USA investieren offenbar immer mehr Eltern nicht nur in Windeln, Brei und Bettchen, sondern auch in die mediale Präsenz ihrer Kids.

Dienste wie babypost.com bieten die eigene Domain fürs Kind, komplett gehostet mit Fotoalbum und Datenbank, für 59 Dollar pro Jahr an. Überweisen Eltern oder Großeltern also von der Geburt an einige Jahre für den Service, kommt irgendwann auch das Kind in den Genuss, die eigene Webseite zu sehen, zu verstehen, mit Inhalt zu füllen oder damit Geld zu verdienen (oder die ganze, bis dahin entstandene Web-Biografie einfach löschen).

Ein besonders schlauer Vater will schon jetzt mit der Baby-Domain seines Kindes Dollars machen: Auf lukeseeley.com bittet Vater Seeley um Spenden für den Collegeaufenthalt seines zweieinhalbjährigen Sohnes Luke. Wenn die Aktion Erfolg hat, richte ich sofort drei Webseiten unter dem Namen meiner Kinder ein. Auf Wunsch stelle ich auch eine Spendenquittung aus.

April, April

April 1, 2006

Mein Sohn: "Wir haben die Mathearbeit zurückgekriegt."
Ich: "Und?!"
Mein Sohn: "Ich hab 'ne 5."
Ich: "Was??!"
Mein Sohn: "April, April!"

Und das vor dem ersten Schluck Kaffee.

Kapitulation im Klassenzimmer

March 31, 2006

Eine Schule kapituliert vor ihren Schülern – der Notruf der Lehrer der Berliner Rütli-Hauptschule hat viele schockiert, überrascht oder auf dem falschem Fuß erwischt. Der zuständige Senator hatte, so liest man, keine Ahnung von den Vorgängen in Neukölln. Scheinbar wusste auch sonst kaum jemand außerhalb des Schulgeländes, welche Szenen sich drinnen abspielen.

Sicher, diese Schule ist ein Extremfall. Aber die Ursachen der Klassen-Katastrophe sind bekannt. Die kennt auch Senator Böger. Man kann sie an vielen Hauptschulen in den größeren Städten des Landes besichtigen. Der Möchtegern-Bürgermeister Pflüger (Vorname: Friedbert) schlägt vor, gewalttätige Schüler des Landes zu verweisen. Auch er müsste es eigentlich besser wissen. Mein  Vorschlag: Verweis für ein Schulsystem aus Kaisers Zeiten! Aus folgenden Gründen:

1. Die Schulform Hauptschule ist eine Sackgasse – ein Wurmfortsatz unseres überholten dreigliedrigen Schulsystems. Wer hier landet, fährt mit hoher Wahrscheinlichkeit später sozial und beruflich an die Wand. Weg mit der Hauptschule!

2. Die Integration ist gescheitert – wer will, dass auch Kinder mit ausländischem Familienhintergrund in der Schule eine Chance haben, muss sie fördern. Und fordern – von den Eltern die Bereitschaft zur Teilnahme am öffentlichen Leben, von den Kindern Leistungen und die Einhaltung von Grundregelen. Also weniger "Türkisch für Anfänger" und mehr Klartext für Unwillige.

3. Problemviertel wie Neukölln gibt es viele – man wird sie nicht abschaffen können. Aber muss es sein, dass sich das pädagogische Elend eines Viertels an einer Schule konzentriert? Vielleicht muss man über Quoten für bestimmte Problemgruppen nachdenken.

4. Personalmangel und mangelhaftes Personal – Schulprobleme sind auch immer Lehrerprobleme. Das Hauptschullehrerdasein ist gewiss kein Zuckerschlecken. Aber bei mancher Lehrkraft vermisst man doch die Motivation, sich einer veränderten Realität vor dem Schultor zu stellen. Mehr Lehrer und Sozialpädagogen allein sind nicht die Lösung, da muss mehr Qualität in die Köpfe.

Eltern – ratlos

March 30, 2006

"Sind Eltern heute zu ängstlich?", fragt die Brigitte in ihrer letzten Ausgabe und kommt in einer Umfrage zu dem Ergebnis, dass die Eltern dazu neigen, Gefahren für ihr Kind höher einzuschätzen, als sie tatsächlich sind. Viele Eltern sind scheinbar nicht mehr in der Lage, alltägliche Konflikte, Krisen und Fragen ohne Rat von außen zu lösen. Sie haben Angst vor dem Spielplatz – das Kind könnte sich verletzen. Sie wissen nicht, in welchem Alter das Kind allein zur Schule gehen kann. Sie haben Schwierigkeiten, eine harmlose Erkältung von einer ernsthaften Infektion zu unterscheiden. Sie sind immerzu besorgt – und ratlos.

Eltern investieren in Deutschland 750 Millionen Euro pro Jahr für Bücher und Zeitschriften mit Erziehungstipps. Amazon spuckt bei der Suche nach Erziehungsratgebern 1333 Treffer aus – von "Die Super Nanny – Glückliche Eltern brauchen Kinder" über "Babyflüsterer" bis zu "Richtig schimpfen – aber wie?".

Wenn schon viele Eltern nicht mehr wissen, wie sie mit Kinden umgehen sollen, kann man es den Kinderlosen da verdenken, wenn sie über die Fortpflanzung mehr als zweimal nachdenken? Zu wenig Kinder in Deutschland? Vielleicht. Auf jeden Fall zu wenig Mut und Menschenverstand, einfach das zu tun, was eigentlich schon seit Jahrtausenden funktioniert. Es ist doch gar nicht so schwierig.

Eskalation der Gewalt an Berliner Schule

March 30, 2006

Der Hilferuf der Lehrer der Rütli-Hauptschule in Berlin-Neukölln – ein erschütterndes Dokument. Und erhellender als ein Dutzend Studien über Gewalt an deutschen Schulen. Read the rest of this entry »

PISA-Probleme

March 29, 2006

Meine Tochter hat das große Los gezogen. Sie ist als Teilnehmerin der PISA-Studie 2006 gezogen worden. Sie macht den Test an der Schule, die Eltern müssen einen Fragebogen zur Lernsituation des Kindes ausfüllen. Schön, freue ich mich, dann bekomme ich jetzt mal aus erster Hand mit, wie diese schon legendäre Studie gemacht wird, ein Stück Bildungspolitik live.

Das Schreiben der Schule zur Test-Teilnahme macht mich aber ein wenig stutzig. Die PISA-Kandidaten werden regelrecht auf das Ereignis eingeschworen: Dieser Test sei für die Schule, uns und unser Kind sehr wichtig, schließlich könne so festgestellt werden, ob auch das Richtige für die Bildung in Deutschland getan werde. Wir werden ermahnt, unserer Tocher zu erklären, wie wichtig dieser Test für die Zukunft des Kindes ist. Denn:

"Ein gutes Abschneiden Hamburger Schüler würde zeigen, dass das Hamburger Bildungswesen auf dem richtigen Weg ist, Ihren Kindern eine gute Zukunft zu sichern, ein schlechtes würde uns zu schnellen Änderungen auffordern."

Sage ich meiner Tochter jetzt, sie soll sich ja anstrengen, den Test so gut wie möglich zu machen? Ein gutes Testergebnis hieße doch, das "Bildungswesen" der Stadt ist prima, wir brauchen nichts zu verbessern, allgemeines Schulterklopfen und gut. Es ist aber nicht gut.

Ein paar Ganztagsschulen mehr, zaghafter Fremdsprachenunterricht an den Grundschulen, ein paar zusätzliche Stühle in der Schulkantine, dafür weniger Lehrer an den Gesamtschulen, neue Bücher, die aber von den Eltern bezahlt werden – ich finde, die Schule ist noch nicht auf dem richtigen Weg. Ich bin für Änderungen im Schulsystem, meinetwegen auch schnelle. Aber Änderungen gibts ja nur, wenn PISA schlecht ausfällt. Soll ich meiner Tochter jetzt sagen, sie soll den PISA-Test verhauen, damit alles besser wird? Ein schweres Los.

Kindergeld vs. Kindergarten 1:1

March 29, 2006

Einer Umfrage des Stern zufolge befürworten 49 Prozent der Bundesbürger den Vorschlag von Finanzminister Steinbrück, das Kindergeld zu kürzen, um so kostenlose Kindergartenplätze zu finanzieren. Allerdings lehnen fast genauso viele der Befragten, nämlich 45 Prozent, das Vorhaben ab. Ein klares Unentschieden, eine unausgegorene Idee – das passt.