Auf deutschen Schulhöfen machen offensichtlich Gewaltvideos und Pornos die Runde – auf dem Handy. Die bayerische Staatsregierung überlegt bereits ein generelles Handyverbot an den Schulen. Heute berichtet Focus online unter der Überschrift “Länder reagieren – Brutale Videos auf Schülerhandys” erneut über das Thema. Tenor: Die Öffentlichkeit ist schockiert, jetzt muss gehandelt werden.
Was genauso schockiert wie Pornos auf Schülerhandys, ist die Art und Weise, in der Focus online über das Thema berichtet. Die ist, vermutlich ohne Absicht, ein Musterbeispiel dafür, wie man journalistischen Content nicht mit Werbebotschaften des Kunden verbinden sollte.
Neben dem Artikel ist ein Banner geschaltet, der für den anonymen Download unzensierter Pornofilme wirbt, inklusiver halbnackter Dame. Eine mindestes unglücklich zu nennende Verbindung von Content und Werbung, die den journalistischen Beitrag der Seite konterkariert. Der Focus-Kunde wirbt für das, was der Focus-Artikel anprangert.
Die Krönung der Handy-Nummer sind jedoch die “innovativen” Werbeformen, die Focus im Artikel selbst einsetzt. Schlüsselwörter des Textes wie Handy und Video sind verlinkt – nicht etwa zu weiteren Hintergrundinformationen, sondern zu Popups einiger Werbepartner. Dabei ergeben sich Effekte, die nicht im Sinne der Kunden und schon gar nicht des Lesers sein können.
Beispiel: “Videos von Hinrichtungen, brutale Pornodarstellungen und andere bestialische Gewaltszenen machen mitunter bei Minderjährigen per Handy die Runde…” Klicke ich auf “Videos”, lande ich bei T-online, wo ich Unterhaltungsfilme herunterladen soll. Ob die jetzt auch Hinrichtungsfilme oder andere Gewaltstreifen im Angebot haben? Gehe ich auf “Handy”, lande ich im Handyshop von 02. Da kann man genau die Handys kaufen, mit denen vorlaute Schüler Filme böse Filme runterladen und rumzeigen können.
Da schert einen der Schulhof-Skandal gar nicht mehr.